Vladimir Ivanoff und Sarband erzählen die Geschichte einer faszinierenden Annäherung
und finden Europa in der Türkei und den Orient in Paris.
Es war eine große Liebe: Sultan Abdülaziz, einer der letzten Herrscher des Osmanischen Reiches,
komponierte mit Leidenschaft wunderschöne Musik im europäischen Stil.
Zur gleichen Zeit sahen westliche Künstler im Osmanischen Reich vor allem das geheimnisvoll „Orientalische“,
die imaginäre Landschaft, voll von dunklen Sehnsüchten und übertrafen sich gegenseitig mit immer neuen Exotismen.
Die osmanische Türkei sah sich politisch und kulturell als Teil der europäischen Allianz,
wurde aber als „kranker Mann vom Bosporus“ von den westlichen Großmächten nur noch als solcher geduldet.
Gleichzeitig wurde der geographische Orient für europäische Künstler und Literaten zunehmend zum Raum ohne Ort,
zum „Orient Imaginaire“, einem Reservoir ungestillter Sehnsüchte, dunkler Triebe und ausschweifender Fantasien,
die in Europa tabu waren.
Deshalb durfte der Orient kein Teil Europas sein, mußte ausgegrenzt werden,
um weiter die kollektive europäische Fantasie beflügeln zu können.
Die große Liebe blieb unerfüllt und Sheherazade klopft auch heute vergeblich an die Tür Europas.
Photo: © 2008, Judith I. Haug