
Nicht immer schien das Licht nur vom Orient zum Okzident:
gerade um die Wende zum 19. Jahrhundert nahm der islamische Kulturbereich entscheidende Anregungen aus dem Westen auf.
Concerto Köln und Sarband widmen sich der sicherlich „beschwingtesten“ Übernahme:
Die osmanisch-türkischen Sultane waren seit dem 16. Jahrhundert häufig begeisterte Liebhaber europäischer Musik.
Mit der Wende zum 19. Jahrhundert schrieben türkische Komponisten Tänze, die sich an der europäischen Walzereuphorie orientierten.
Im Gegensatz zu den schnellen europäischen Walzern wird der 3/4 Takt von türkischen Komponisten
gerne in ein getragenes Tempo transferiert und dient als Grundlage tiefsinniger, auch religiöser Kompositionen.
Als Bestandteil des Rituals der wirbelnden Derwische fand der europäische Walzer so auch Eingang in die muslimische Mystik.
Mit Beethovens „Deutschen Tänzen“ und Mozarts „Sechs Teutschen … und Türckische Musik“,
den frühen Walzern von Pamer und Lanner, aber auch den mystisch pendelnden Walzern Dede Efendis
laden Concerto Köln und Sarband zu einer wahrhaft beschwingten Reise zwischen Orient und Okzident ein.
Die Mystik der Musiken für das Ritual der wirbelnden Derwische und
die überschäumende Ekstase von Beethovens Tanzsätzen
bringen uns das Wesentliche des schwingenden Dreiermetrums jenseits aller kulturellen Differenzen wieder nahe:
Die Aufhebung des linearen Zeitablaufs, das Stillstehen in der Drehung,
die universale Bedeutung des Dreischlags (als zyklisch in der Unendlichkeit gefangener Zeit)
im weltlichsten Vergnügen wie in der kosmisch-spirituellen Erfahrung.
„Concerto Köln und Sarband schlugen auf der Bühne des Festspielhauses in Bregenz
eine tragfähige musikalische Brücke zwischen Orient & Okzident" Vorarlberg Online, 18.5.2006
"Man sieht förmlich die Postkutschen der Gesandten zwischen Wien und Istanbul hin- und herrattern, so geschickt werden Kompositionen aus beiden Kulturkreisen miteinander verschränkt …
Diese unterschiedlichen Charaktere werden von den Ensembles hervorragend herausgestellt.
Anja-Rosa Thöming, FAZ, 3.12.2005"
